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29. Was sind Halal und Haram?

Halal

Halal ist alles, was in der Religion als erlaubt gilt. Es handelt sich um Dinge, die den religiösen Regeln nicht widersprechen und nicht verboten sind. Was nach der Religion nicht untersagt ist, also was getan, verwendet oder gegessen und getrunken werden darf, gilt als Halal. Da halal bedeutet, dass etwas erlaubt ist, ist die Handlung zulässig und erlaubt. Aus diesem Grund werden auch die Begriffe „mubah“ und „zulässig“ anstelle von halal verwendet.

Haram

Haram bezeichnet alles, was nach unserer Religion aufgrund eindeutiger Beweise verboten ist, sei es das Tun, Verwenden, Essen, Trinken oder Verarbeiten. Das Unterlassen solcher Handlungen wird als verdienstvoll (sevap) angesehen, ihre Ausführung gilt als Sünde. Wer sie leugnet, begeht ebenfalls eine Sünde. (Dazu gehören zum Beispiel Alkohol trinken, Glücksspiel, Ehebruch, Schweinefleisch essen, lügen, töten, lästern und verleumden.)

Was ist das religiöse Urteil über Haram?

Für das Meiden von Haram gibt es großen Lohn (sevap). Es führt den Menschen zur Stufe der Gottesfurcht (takva mertebesi). Wenn Haram jedoch begangen wird, hat das schwerwiegende Folgen wie die Verhärtung des Herzens, das Abstumpfen des Gewissens, die Schwächung des Glaubens, den Verlust von innerem Frieden und Freude, sowie das Verschwinden der spirituellen Freude an der Anbetung. Zudem droht im Jenseits eine schwere Strafe. Etwas, das eindeutig Haram ist, für halal zu erklären, kann – möge Allah davor bewahren – den Menschen aus dem Glauben führen.

Was bedeutet „zulässig“ (caiz)?

Zulässig ist alles, was aus religiöser Sicht nicht verboten ist. Dieses Wort wird manchmal auch anstelle von „gültig“ oder „erlaubt“ verwendet.
Für Dinge, die weder halal noch erlaubt sind, sagt man „nicht zulässig“. Damit sind sowohl eindeutig verbotene Handlungen gemeint als auch Dinge, die zwar an sich halal sind, jedoch unter bestimmten Bedingungen als verboten gelten. Zum Beispiel ist Handel grundsätzlich halal. Aber für jemanden, dem das Freitagsgebet religiös vorgeschrieben ist, ist es zur Gebetszeit nicht halal, Handel zu treiben. Halal bezeichnet im Islam alles, was nicht verboten ist, Haram hingegen das, was verboten ist. Dinge, über die es kein religiöses Verbot gibt, gelten als halal. Allah sagt im Koran: „Er ist es, der alles, was auf der Erde ist, für euch erschaffen hat.“ (Sure al-Baqara, 2:29)

„Siehst du nicht, dass Allah euch alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist, dienstbar gemacht hat und euch seine sichtbaren und verborgenen Gaben reichlich gewährt hat?“ (Sure Luqman, 31:20)

Diese Verse zeigen, dass Allah dem Menschen viele Gaben erschaffen hat. Alles, dessen Konsum, Nutzung oder Anwendung nicht durch Koran oder Hadith verboten ist, ist halal. Alles, was ausdrücklich verboten ist, ist haram.

Das (Bitt-)Gebet dessen, der sich vom Haram fernhält, wird angenommen

Man kann sich das Beten wie den Versuch vorstellen, einen Freund anzurufen. Wenn es um einen herum laut ist, kann der andere einen nicht verstehen. Lügen, Ungerechtigkeit und alles, was uns schadet, sind wie dieser Lärm: Sie belasten unser Herz und schwächen die Kraft unserer Gebete. Sich von dem fernzuhalten, was Haram für uns ist, bedeutet vor allem, niemanden zu hintergehen, nicht zu lügen und ehrlich durchs Leben zu gehen. Je reiner ein Mensch sein Leben gestaltet, desto mehr „leuchtet” sein Herz. Ein reines Herz findet Gehör. Allah erhört die Gebete derer, die sich für Ehrlichkeit entscheiden, viel eher, da keine Hindernisse mehr zwischen ihnen und Allah stehen.

„Jemand reist weit, ist zerzaust und staubbedeckt, hebt seine Hände zum Himmel und ruft: ‚Ya Rabbi Ya Rabbi‘ – doch seine Speise ist unerlaubt, sein Trinken ist unerlaubt, seine Kleidung ist unerlaubt, und er ist von unerlaubten Dingen genährt. Wie sollte da sein Gebet erhört werden?“ (Muslim, az-Zakat, 65.)

Der Vater von Imām al-Aʿẓam und sein Bemühen um Halal

Sābit, der Vater von Imām Abū Ḥanīfa, wusch sich eines Tages an einem Bach. Dabei sah er einen Apfel im Wasser treiben. Nach seiner Waschung nahm er ihn, um ihn zu essen, damit er nicht verdirbt. Kurz darauf musste er sich übergeben und sah Blut im Erbrochenen. Er dachte, dass dies vom Apfel stammte, und bereute es sofort. Er machte sich auf den Weg, um den Besitzer des Apfels ausfindig zu machen und um Vergebung zu bitten. Nachdem er ihn gefunden hatte und ihm alles erklärt hatte, forderte der Mann ihn auf, für längere Zeit bei ihm zu arbeiten. Er wollte ihn prüfen und sehen, ob er ein gottesfürchtiger Mensch sei. Als er überzeugt war, stellte er ihm eine letzte Bedingung, um ihm zu vergeben: „Ich habe eine Tochter, die blind, taub, stumm und gelähmt ist. Wenn du sie heiratest, vergebe ich dir den Apfel.“ Sābit nahm das Angebot an, um nicht mit einer Schuld ins Jenseits zu gehen. Nach der Eheschließung betrat er das Zimmer seiner Frau und kam sofort wieder heraus. Verwirrt ging er zu seinem Schwiegervater und sagte: „Da ist keine Frau mit den beschriebenen Eigenschaften!“ Der Vater lächelte und sagte: „Mein Sohn, sie ist die Frau, die ich dir versprochen habe. Ich sagte blind, weil sie nie etwas Verbotenes gesehen hat. Ich sagte taub, weil sie nie etwas Verbotenes gehört hat. Ich sagte stumm, weil sie nie etwas Verbotenes gesprochen hat. Ich sagte gelähmt, weil sie nie zu einem verbotenen Ort gegangen ist. Geh jetzt zu deiner Frau. Möge Allah euer Zuhause segnen und euch glücklich machen.“ Aus dieser Ehe ging später Imām al-Aʿẓam Abū Ḥanīfa hervor.

Etwas, was Haram ist, kann nicht als Almosen an Arme gegeben werden

Der Herrscher seiner Zeit wollte den Gottesfreund Sayyid Abu l-Wafa auf die Probe stellen, um seine Aufrichtigkeit und Nähe zu Allah zu prüfen. Er mischte zehn Dinar, die auf verbotene Weise erworben worden waren, unter hundert rechtmäßig verdiente Dinar. Die zehn markierte er heimlich. Dann gab er den Beutel einem Boten mit der Anweisung, das Geld Abu l-Wafa zu übergeben, damit er es an seine Schüler verteile. Als der Bote bei ihm ankam und seinen Auftrag erklärte, sagte Abu l-Wafa: „Drehe den Beutel um, damit das Siegel geöffnet wird.“ Der Bote tat dies und schüttete das Geld auf einen Teller. Abu l-Wafa ließ einen Teil nach dem anderen aussortieren, bis die zehn verbotenen Dinar beiseite lagen. Die hundert Dinar nahm er an, die anderen zehn ließ er in einen eigenen Beutel packen und sagte: „Dieses Geld darf nicht für Bedürftige verwendet werden. Bring es dem Herrscher zurück, er soll es selbst verwenden.“ Als der Herrscher das Geld sah, erkannte er, dass es genau die zehn markierten Dinar waren. Da wusste er, dass Sayyid Abu l-Wafa ein wahrer Gottesfreund war. Denn Allah schützt seine geliebten Diener vor dem Haram.

Sich an die von Allah gesetzten Grenzen halten

In seinem heiligen Buch zeigt uns Allah, wie wir sein Wohlgefallen erlangen können.
Sich von dem fernzuhalten, was Allah verboten hat, und sich mit dem zu begnügen, was er erlaubt hat, gehört zum Wesen eines gläubigen Menschen. In der Sure al-Baqara heißt es: „Ihr Menschen, esst von dem, was auf Erden erlaubt und rein ist. Folgt nicht den Wegen des Satans, denn er ist euch ein offenkundiger Feind.“ Daraus erkennen wir, dass der Gläubige für alles verantwortlich ist, was er zu sich nimmt. Alles, was gegessen, getrunken oder auf Haut und Haar angewendet wird, sollte halal und rein sein. Ein Leben im Rahmen des Erlaubten zu führen bedeutet, sich den von Allah gesetzten Grenzen zu unterwerfen. Diese Unterwerfung stärkt unsere Verbindung zu unserem Schöpfer. Wer diese Grenzen überschreitet, schwächt die Beziehung zu Allah. Der Gläubige muss diese Verbindung besonders schützen und ein Leben im Halal mit großer Achtsamkeit führen.

„Halal ist klar, Haram ist klar. Zwischen beiden gibt es Dinge, die zweifelhaft sind und von denen viele Menschen nichts wissen. Wer sich von Zweifeln fernhält, schützt seine Religion und seine Ehre. Wer sich auf zweifelhafte Dinge einlässt, gerät ins Verbotene.“ (Muslim, Kitāb al-Musāqāt, 107)

Wenn wir also bei einer Sache nicht sicher sind, ob sie haram ist, sollten wir uns aufgrund des Zweifels fernhalten. Das Meiden von allem, was unklar ist, gehört zur Gottesfurcht, und Allah liebt diejenigen, die gottesfürchtig sind. Ein Leben im Rahmen des Erlaubten zu führen, beschränkt sich nicht nur auf Essen und Trinken. Auch die Art, wie wir unser Geld verdienen und wie wir die uns anvertrauten Gaben verwenden, ist ebenso wichtig. Der Islam lehrt uns, dass ein rechtschaffener Lebensunterhalt auf erlaubtem Weg grundlegend für inneren und äußeren Frieden ist. Viele Menschen greifen aus Gier zu verbotenen oder betrügerischen Methoden, um mehr zu verdienen. Der Islam fordert uns in allen Lebensbereichen zu Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Respekt vor den Rechten anderer auf. Auch der bewusste Umgang mit Ressourcen gehört zur islamischen Lebensweise. Ein halal geführtes Leben bedeutet auch, verschwenderisches Verhalten zu vermeiden. Verschwendung ist im Kern Maßlosigkeit. Maßlosigkeit beim Essen kann dem Körper schaden, Maßlosigkeit im Konsum verletzt unsere Seele. Luxus, Prunk und Protz sind oft Zeichen einer übermäßigen Bindung an das Diesseits. In einer Welt voller Armut, Hunger und Verschwendung sollten wir als Muslime, die als Statthalter Gottes auf Erden erschaffen wurden, unsere Mittel für Wohltätigkeit und Gutes einsetzen.

Geri Bildirim

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