Hicret (Auswanderung, Migration)
Hicret bezeichnet die Auswanderung des Propheten Muhammed (Friede und Segen seien mit Ihm) von Mekka nach Medina, um der Unterdrückung durch die Mekkaner zu entkommen. Im Hizmet- Kontext bezeichnet Hicret das freiwillige Auswandern einzelner Menschen in eine neue Stadt oder eines Menschen in eine neue Stadt oder ein neues Land mit der Absicht, sich dort in der Hizmet-Bewegung zu engagieren. Häufig kennzeichnet Hicret einen neuen Lebensabschnitt der Auswandernden, da sie alte, schlechte Gewohnheiten zurücklassen und ein neues Kapitel mit neuen Vorsätzen aufschlagen. Hicret ist zudem ein Gottesdienst, der auf der Sunna des Propheten und den Geboten des Koran basiert.
Hizmet (Dienst, Engagement)
Der Begriff Hizmet bedeutet wörtlich, Dienst, Engagement“. Gülen bezeichnete das ideal, sich für die Menschheit und das friedliche Miteinander zu engagieren, als Hizmet. Dieser Aspekt seiner Philosophie ist zu einem derart elementaren Teil der von Gülen inspirierten Bewegung geworden, dass sich Hizmet als Eigenbezeichnung der Bewegung etablierte. Man spricht auch davon „Hizmet zu machen“(hizmet etmek), also sich zu engagieren. Menschen in Hizmet verstehen ihr gesellschaftliches Engagement als eine Form des Gottesdienstes.
Hadith:
Der beste Mensch ist jener, der den Menschen am nützlichsten ist. (Prophet Muhammed s.a.v) Frage: Bezieht sich die Auswanderung des Propheten (saw), seine Flucht in die Höhle und ähnliche Ereignisse in Bezug auf die Wiederholung historischer Ereignisse auch auf unsere heutige Zeit?
Antwort: Zunächst muss man feststellen, dass Gott (cc) in der Zeit des Propheten (saw) alles, was bis zum Jüngsten Tag geschehen wird, im kleinen vorweggenommen hat. In diesem Sinne können die Muslime jederzeit die Lösung für neue Ereignisse, veränderte Umstände oder ungeklärte Fragen in der Zeit des Propheten (saw) finden. Die großen Werke der früheren Gelehrten basieren ebenfalls auf der genauen Analyse und Interpretation dieser Zeit.
Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass sich historische Ereignisse nicht genau wiederholen, sondern nur in ähnlicher Form auftreten. Wer erwartet, dass sich alles genauso wie in der Vergangenheit wiederholt, täuscht sich. Was manchmal wie eine Wiederholung aussieht, ist oft nur eine Spiegelung oder Ähnlichkeit.
Was die Auswanderung (Hidschra) und die damit verbundenen Ereignisse betrifft, so kann man sagen, dass ähnliche Situationen auch in späteren Zeiten auftreten können. Zum Beispiel leben viele von uns heute in einer ähnlichen Situation. Gemäß dem Hadith, „Ein Auswanderer ist jemand, der sich von dem fernhält, was Gott verboten hat“, erleben wir ständig eine innere Auswanderung, indem wir uns im täglichen Leben von Sünden fernhalten. Auch viele von uns sind sowohl individuell als auch familiär im Dienste des Glaubens auf Auswanderung angewiesen, sei es in Bezug auf die Verbreitung des Islam oder zur Stärkung unseres Glaubens.
Vor allem in der Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Zentralasien hat sich die Möglichkeit zur Auswanderung und Verbreitung des Islam enorm erweitert. Unsere Bemühungen, uns in Europa, Amerika und Australien zu verbreiten, stellen ebenfalls eine besondere Dimension der Auswanderung dar.
Ein wichtiger Punkt ist jedoch, dass die Auswanderung nur für Gott und ohne persönliche Erwartungen oder Ansprüche geschehen sollte. Damit dies gelingt, muss der Mensch sich selbst gut kennen, seine Beziehung zum Gott stark halten und sein Handeln stets aufrichtig und ohne egoistische Ziele ausrichten. Die Sahaba (Gefährten des Propheten) haben ihre Heimat nicht verlassen, weil sie eine Belohnung oder Macht suchten, sondern allein aus religiöser Überzeugung und für Gott. Auch wir sollten uns daran orientieren und unsere inneren Absichten und Ziele immer überprüfen.
Die Bedeutung der Hidschra:
Die Auswanderung, die eng mit dem Kampf für den Glauben (Dschihad) verbunden ist, wird bis zum Jüngsten Tag weitergehen. Neben der physischen Auswanderung bedeutet sie auch, Sünden zu vermeiden. Jede Auswanderung in der Geschichte der Propheten war ein Wendepunkt. Die Hidschra des Propheten Muhammad (saw) war ein solcher Wendepunkt und führte zum vollständigen Erfolg des Islam. Deshalb beginnt der islamische Kalender mit der Hidschra.
Die Belohnung der Hidschra:
Die Hidschra wird im Koran in vielen Versen erwähnt. Zum Beispiel in der Sure Nisa (4:97 – 98), wo die Engel Menschen, die in einem Land der Ungerechtigkeit verharren, fragen: „War Gottes Erde nicht weit genug für euch, dass ihr auswandern konntet?“Dieser Vers zeigt die Wichtigkeit der Auswanderung, wenn man den Glauben in einem Land nicht leben kann. Wer in der Lage ist auszuwandern, dies aber nicht tut, handelt gegen sich selbst.
Der Prophet (saw) sagte, dass sein Name eines Tages bis zu jedem Ort auf der Erde bekannt sein wird. Wir sollten daher die Welt wie ein fruchtbares Feld sehen, auf dem wir die Samen des Glaubens pflanzen können. Auch wenn wir nicht immer die Früchte unserer Arbeit sehen, ist es wichtig, unsere Pflicht zu erfüllen und die Botschaft des Islams zu verbreiten.
Die Hidschra ist eine große Herausforderung, aber auch eine große Belohnung. Wer aus Liebe zu Gott seine Heimat verlässt, wird dafür vom Gott belohnt. Es ist jedoch wichtig, dass man mit der Absicht auswandert, nie wieder zurückzukehren, und die neue Umgebung als dauerhafte Aufgabe betrachtet.
Lesetext Aus Der Fontäne Jugend
Mus’ab bin Umayr – Der Erste Bote Des Islams
Von Huzeyfe Irmak
Historiker und Überlieferer beschreiben, dass er der schönste Mensch in Mekka war. Er wurde in eine wohlhabende und tolerante Familie geboren. War es möglich, dass ein so junger Mann, der in allerlei Reichtum aufgewachsen war, in der Schönheit Mekkas, der Perle der Versammlungen, sich dem Glauben zuwandte und zum Islam konvertierte? Mus‘ab b. Umayr oder Mus‘ab el-Chayr, wie er unter den Muslimen hieß, wurde dann höchstpersönlich vom Propheten(Friede und Segen sei mit Ihm) erzogen. Seine Lebensgeschichte kann als Quelle des Stolzes für die gesamte Menschheit dienen.
Dieser Junge erfuhr eines Tages, was die Menschen in Mekka von dem Propheten Muhammed el-Emin, dem Vertrauenswürdigen, hörten. Muhammed(Friede und Segen sei mit Ihm) sagte, dass Gott ihn als Überbringer einer frohen Botschaft, als Warner und als Aufrufer zur Verehrung Gottes, des Einzigen, gesandt hat. Mekka vergaß daraufhin seine Probleme und Sorgen und war nur noch mit dem Gesandten Gottes und der Religion, die er gebracht hatte, beschäftigt. Und dieser junge Mann war einer der am meisten interessierten Menschen. Mus‘ab wurde zu einer Person, deren Anwesenheit in jeder Versammlung erwünscht war. Die Schönheit seiner Worte und die Überlegenheit seines Intellekts öffneten ihm alle Herzen und Türen.
Er hörte, dass der Gesandte Gottes und diejenigen, die an ihn glaubten, sich an einem Ort versammelten, der für die Quraisch unzugänglich und außerhalb ihrer Reichweite war. Dies war das Haus von Arqām auf dem Hügel von Safa. Ohne zu zögern, ging er eines Abends nach Dar ul-Arqām. Dort war der Gesandte Gottes. Sie saßen sich mit ihren Gefährten gegenüber, rezitierten aus dem Koran und beteten mit ihnen zu Gott. Mus‘ab konnte fast nicht stillstehen. Die Verse, die aus dem Herzen des Gesandten Gottes sprudelten und von seinen Lippen flossen, erreichten die Ohren und Herzen.Auch das Herz von Mus‘ab war an diesem Abend von Frieden erfüllt, als würde er auf Flügeln schweben.
In diesem Augenblick streckte der Gesandte Gottes (Friede und Segen sei mit Ihm) seine gesegnete rechte Hand aus und berührte die Schulter des jungen Mannes, dessen Herz pochte. In diesem Augenblick hatte er die Ruhe der Tiefe des Ozeans erreicht. Der junge Mann, der vom Licht des Glaubens erleuchtet und mit dem Islam geehrt wurde, war gereift, und der Lauf seines Lebens hatte sich geändert.
Die Mutter von Mus‘ab, Hunnas bint. Mālik, war eine Person von beeindruckender Stärke. Als Mus‘ab Muslim wurde, war die einzige Person, die er auf Erden fürchtete, seine Mutter. Die Feindschaft seiner Mutter war für ihn nicht zu ertragen. Deshalb beschloss er es zu verbergen, bis Gottes Urteil erfüllt war. Er ging immer wieder nach Dar ul-Arqām und saß mit dem Propheten zusammen. Uthman ibn Talha, der Dar ul-Arqām im Geheimen betrat, sah, wie Mus‘ab mit dem Propheten betete. Es war, als ob die Wüstenwinde miteinander wetteiferten, um die Nachricht zu Mus‘abs Mutter zu bringen.
Mus‘ab stand aufrecht vor seiner Mutter, seinem Stamm und allen Ältesten von Mekka und zeigte sein festes Bekenntnis zur Wahrheit und seine Ausdauer, indem er ihnen Verse aus dem Koran rezitierte. Obwohl seine Mutter etwas unternahm, um Mus‘ab zum Schweigen zu bringen, der den Koran las, konnte sie nicht viel gegen seine Schönheit und Sanftmut ausrichten. Jedoch fesselten sie Mus‘ab an einen der Pfosten seines Hauses und verriegelten die Tür. Diese Situation dauerte an, bis er die Nachricht von der Auswanderung einiger Muslime nach Abessinien erhielt.
Sobald er dies hörte, begann Mus‘ab nach Abhilfe zu suchen, und eines Tages überrumpelte er seine Mutter und seinen Vormund und ging als Auswanderer nach Abessinien. Sie blieben eine Weile in Abessinien mit den anderen, dann kehrten sie nach Mekka zurück. Der Prophet (Friede und Segen sei mit Ihm) sagte: „Ich bin der Gesandte Gottes. Für Mus‘ab waren Abessinien und Mekka gleichwertig. An jedem Ort und zu jeder Zeit vertiefte er seine Glaubenserfahrung. Er behielt die Farbe seines Lebens bei, indem er die vom Propheten (Friede und Segen sei mit Ihm) empfohlenen gottesdienstlichen Handlungen vollzog.
In dem Maße, wie seine Nähe zu seinem Herrn wuchs, wuchs auch der Frieden in seinem Herzen. Eines Tages ging er zu den Muslimen, die um den Gesandten Gottes herum saßen. Die Muslime sahen ihn voller Mitgefühl an, dann senkten sie ihren Blick, einige von ihnen mit Tränen in den Augen: Mus‘ab, der zuvor ein Leben in Wohlstand geführt hatte, trug inzwischen ein altes, zerlumptes Kleid. Der Gesandte Gottes (Friede und Segen sei mit Ihm) wandte seinen Blick zu ihm und sagte: „So sehe ich Mus‘ab. Es gibt niemanden in Mekka, dessen Familie so reich gesegnet ist wie er. Aber er ließ all diesen Wohlstand und Reichtum zurück für die Liebe zu Gott und Seinem Gesandten.“
Seine Mutter verbot ihm, seinen Reichtum zu genießen, weil er ihren Glauben aufgegeben hatte. Niemals würde sie jemandem etwas zu essen geben, nicht einmal ihrem Sohn, der sich von ihren Göttern abgewandt und gegen sie gesprochen hat. Schließlich wollte ihn seine Mutter bei seiner Rückkehr aus Abessinien wieder einsperren. Als er schwor, dass er mit jedem brechen würde, der ihr bei der Gefangennahme helfen würde, ließ ihn seine Mutter gehen. Sowohl er als auch seine Mutter weinten. Die Mutter bestand auf ihrem Polytheismus, der Sohn auf seinem Ein-Gott-Glauben. Die Mutter warf ihren Sohn aus dem Haus und schrie ihn an: „Geh, wohin du willst. Ich bin nicht mehr deine Mutter.“
Mus‘ab wandte sich an seine Mutter: „O meine Mutter! Ich will dir helfen und ich mache mir Sorgen um dich! Sie sagte: „Ich bin nicht mehr deine Mutter. Bei dem leuchtenden Stern, ich werde niemals deiner Religion beitreten. Mein Verstand ist nicht schwach und meine Sehkraft ist nicht gering.“So verzichtete Mus‘ab auf Komfort und Überfluss und begnügte sich mit alten Kleidern und damit, einen Tag satt und viele Tage hungrig zu sein. Denn seine Seele war mit dem Licht des erhabenen Glaubens und dem Licht Gottes erfüllt.