1-Gottesdienst mit dem Körper:
Dazu gehört zum Beispiel das Pflichtgebet (türk. Namaz) und das Fasten. Diese Gottesdienste muss jeder einzelne Muslim für sich selbst verrichten. Sie dürfen nicht jemand anderem übertragen werden. Niemand kann für einen das Pflichtgebet oder das Fasten übernehmen.
2-Gottesdienst mit dem Eigentum:
Darunter zählen zum Beispiel die Bedürftigenabgabe (türk. Zakat) oder die Opfergabe (türk. Kurban). Hierbei kann in eigenem Namen jemand anderes beauftragt werden.
3-Gottesdienst, welcher sowohl mit dem Körper als auch mit Eigentum verrichtet wird:
Dazu zählt die Pilgerfahrt. Wer genug Geld hat, um die Pilgerfahrt vorzunehmen, jedoch körperlich eingeschränkt, krank oder zu alt ist, kann jemand anderes in eigenem Namen auf die Pilgerfahrt schicken.
Die Vorteile des Gottesdienstes
So wie unser Körper ausreichend Nährstoffe braucht, braucht unsere Seele genauso ihre Kost. Diese besteht aus Glauben und Gottesdienst. Der Gottesdienst stärkt die Seele, bewahrt vor Bosheit, reift das Moralverständnis und schützt unser aller Wertvollstes, unseren Glauben.
Jeder begegnet im Leben schwierigen Situationen und kann eine hoffnungslose, depressive Zeit durchmachen. In solchen Zeiten kann man sich mit Gottesdienst aus der tiefen Phase retten, denn durch Gottesdienst kommt man Allah näher. Man traut sich Allahs Barmherzigkeit an und spürt Frieden.
Die Gottesdienste beeinflussen neben unserer Seele auch unseren Körper positiv. Jemand, der das Pflichtgebet ausführt, muss vorher die Gebetswaschung (türk. Abdest) vornehmen. Bei dieser Gebetswaschung reinigt sich der Mensch mehrmals täglich. Jeder weiß, dass Sauberkeit unserer Gesundheit nur Vorteile bringt. Zudem wird beim Pflichtgebet durch verschiedene Körperbewegungen die Gesundheit gefördert. Beim Fasten wird die Gesundheit des Verdauungssystems gefördert und hierbei können sich bestimmte Organe ausruhen, was wiederum die ganzheitliche Gesundheit des Körpers fördert.
Die Bedürftigenabgabe ist ein Gottesdienst, der die soziale Unterstützung antreibt und somit die Gemeinschaft gestärkt wird.
Die Beziehung zwischen dem Glauben und dem Gottesdienst
Ein Muslim, welcher die religiösen Bestimmungen nicht verweigert und in seinem Herzen gläubig ist, ist auch Muslim, wenn er keine Gottesdienste ausführt. Jedoch führt er somit Allahs Befehle nicht aus und begeht Sünden. Daher muss er mit Strafen rechnen.
Die Gottesdienste reifen den Glauben und stärken ihn. Sie tragen dazu bei, im Jenseits von den Strafen befreit zu werden und von den Gaben im Paradies zu erhalten.
Der Verzicht auf Gottesdienste führt zu der Erlöschung und dem Verschwinden des Glaubens. Ohne den Gottesdienst stellt der Glaube ein offen brennendes Licht ohne Windschutz dar. Es kann jeden Moment erlöschen. Wenn der Glaube verschwindet, bedeutet das der Verlust des Schlüssels ins Paradies. Daher ist der Gottesdienst unverzichtbar. Er schützt und erhält unseren Glauben und kann uns das ewige Leben im Paradies bescheren.
Hat der Gottesdienst ein Alter?
Der Schneider war bekannt für seine gute Arbeit. Er nähte die Kleidung immer einwandfrei. Stets war er bemüht, seine Arbeit vollständig zu leisten. Solche Fehler, die von anderen vertuscht wurden, da sie niemand merken würde, versuchte er zu vermeiden. Daher arbeitete er manchmal Tag und Nacht.
Sehr oft übernachtete er im Laden, um seine Arbeit fertig zu bekommen. Trotzdem verpasste er nie die Pflichtgebete. Oftmals ging er, um diese zu verrichten, in die Moschee oder er verrichtete sie im Laden.
Eines Tages hörte man den Gebetsruf (türk. Ezan) und der Schneider wollte zügig den Laden schließen und in die Moschee gehen. Da rief ihn der Tischler von gegenüber. Der Schneider ging zu ihm in den Laden und fragte, was los sei. Der Tischler wollte ihm einen Tee spendieren. Doch der Tischler mochte den Tee aus dem Café nicht.
Er bevorzugte es, seinen Tee in seinem kleinen Teekessel lange auf kleiner Hitze ziehen zu lassen und so zu genießen. Also lehnte er die Einladung des Tischlers freundlich ab. Nach einem Moment sagte er dem Tischler, dass er es eilig hat und los muss. Der Tischler aber, stellte ihm Fragen wie „Wie läuft die Arbeit“ und hielt ihn auf. So als wäre es ihm egal, dass der Schneider weitergehen wollte. Daraufhin wendete sich der Schneider zur Tür und der junge Tischler sagte: „Ich sehe dich andauernd beim Pflichtgebet. Du bist doch so jung. Sollten wir nicht unser Leben genießen? Wenn wir alt sind, können wir uns Bärte wachsen lassen und beten.“
Der junge Schneider hatte nicht mit so einer Aussage gerechnet und überlegte kurz. Dann sagte er: „Und was, wenn wir nicht altern? Hast du nie von dem Tod junger Menschen gehört?“
Der Tischler erläuterte: „Ach rede doch nicht wie Zurückgebliebene. Der junge Tod kommt vielleicht einmal in Tausend oder sogar Hunderttausend Fällen vor. Am besten machen wir solche Dinge, wenn wir alt sind. Da werden wir viel Zeit für sowas haben.“
Der Schneider merkte, dass dieses Gespräch kein Ende hatte und meldete sich freundlich ab. Am nächsten Tag ging er zu seinem Laden und merkte eine Menschenmenge vor dem Laden des Tischlers gegenüber. Er wurde neugierig und ging mit dem Gedanken, der Laden wäre ausgeraubt worden, hin. Alle sahen so traurig aus. Der Schneider konnte niemanden ansprechen und lief weiter in den Laden. Nirgends war etwas kaputt oder ähnliches. Der Laden war überfüllt von Menschen. Plötzlich sagte einer: „Er war noch so jung…“
Jetzt wurde es dem Schneider klar, der junge Tischler war verstorben.