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12. Fetanet Unseres Propheten


Fetanet bedeutet, den Verstand mit Hilfe des Intellekts zu überwinden, man könnte auch „prophetischen Intellekt“ dazu sagen. Dieser Intellekt vereinigt den Geist, das Herz, die Empfindungen und das spirituelle Feingefühl.
Fetanet bezeichnet jedoch keineswegs nüchternen Verstand und kühle Ratio. Daher wäre es nicht nur eine Verkennung, sondern bereits eine bedeutende Verdrehung des Islams zu sagen: „Der Islam ist eine Religion des Verstandes. Der Islam ist eine Religion der Logik.“ Nein, der Islam ist keine Religion des Verstandes oder der Logik, sondern eine Offenbarungsreligion. Gäbe es nicht die prophetische Weisheit, wie hätten die Propheten dann auf die Einwände ihrer Gegner eingehen, die Fragen ihrer Freunde beantworten und die unzähligen Angelegenheiten erklären und deuten können, die an sie herangetragen wurden? Bliebe die Religion unverstanden, blieben alle religiösen Gebote bedeutungslos. Gäbe es keine religiösen Gebote, wäre auch die Schöpfung des Menschen ad absurdum geführt. Dass es jedoch nicht zu diesen negativen Folgen kam, liegt am herausragenden Intellekt, mit dem die Propheten eine Weisheit besaßen, die es ihnen ermöglichte, allen Herausforderungen mit Leichtigkeit zu begegnen.
Sein Gegenüber Gut Kennen
Husayn besuchte den Gesandten Gottes und beabsichtigte, ihm einen Rat zu geben. Er wollte den Gesandten Gottes davon überzeugen, von seiner Sache abzulassen. Das Haupt der beiden Welten besaß eine wundersame Gabe, sein Gegenüber und dessen Standpunkt zu erkennen. Ohne darüber nachzudenken, wandte er sich mit genau den passenden Worten an sein Gegenüber. Würden wir versuchen, die Reihenfolge seiner Worte zu vertauschen oder dieselben Worte an einen Menschen mit einer anderen Wesensart zu richten, würden wir alles durcheinanderbringen und niemals das Ziel erreichen. Der Gesandte Gottes war einzigartig darin, die passenden Worte zu wählen sowie das Niveau und die Lebenssituation seines Gegenübers einzuschätzen. Kein Zweiter konnte das so wie er. Er vermochte es, blitzschnell einzuschätzen, mit wem er sprach, sowie wie und wo er mit dieser Person reden musste. Obwohl er nicht einen Moment darüber nachdenken musste, erwies es sich, dass alles, was er sagte, Worte waren, die unentbehrlich waren. Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Wir können all seine Reden im Detail analysieren und werden feststellen, dass kein einziges Wort darin zu viel ist. Wenn das nicht die prophetische Weisheit ist, was dann?!
Husayn war von dieser prophetischen Weisheit zutiefst beeindruckt: Nachdem er sein Anliegen vorgetragen hatte, richtete der Gesandte Gottes, ohne auch nur im Geringsten Anstand und Höflichkeit vermissen zu lassen, folgende Frage an ihn: „Husayn, wie viele Götter betest du an?“ „Sieben auf der Erde und acht Göttern im Himmel diene ich.“ Das, was er als „im Himmel“ bezeichnete, war eigentlich Gott, den sie doch nicht aus ihren Herzen verbannen konnten. Der Glaube an Gott ist eine Überzeugung und ein Wissen, das im Gewissen der Menschen derart tiefe Wurzeln schlägt, dass auch eine überaus lange Zeit der Unwissenheit es nicht auszurotten vermag. Das Gewissen lügt nicht. Wenn nur die Zunge vollständig und in Wahrheit das wiedergibt, was die Stimme des Gewissens zu sagen hat! Die Fragen des Gesandten Gottes und die Antworten Husayns gingen weiter: „Wenn dich ein Unglück trifft, welche deiner Götter rufst du um Hilfe an?“ „Die im Himmel.“ „Und wenn du deinen Besitz verloren hast, wen bittest du um Hilfe?“ „Die im Himmel.“ In dieser Art ging es eine Weile weiter. Auf alle Fragen antwortete Husayn: „Die im Himmel.“ Er wusste jedoch nicht, worauf der Gesandte Gottes hinauswollte: „Er ist derjenige, der ganz allein deine Gebete erhört, und du? Du stellst ihm ohne Grund Teilhaber zur Seite! Was ich dir rate? Bekennt euch zum Islam und werdet gerettet!“ Alle Sätze dieser Unterhaltung sind eigentlich sehr einfach gehalten. Allerdings wurden die Umstände und das Gedankenniveau des Gegenübers derart präzise eingeschätzt, dass Husayn nichts zu erwidern wusste. Nur diesen einen Satz vermochte er zu sagen, nachdem der Gesandte Gottes seine Ausführungen beendet hatte: „Lā ilāha illā-llāh Muḥammadur-Rasūlu-llāh.“ Husayn hatte zwei Möglichkeiten: Diesen Satz zu sagen und ewige Rettung zu erlangen oder in seinem Eigensinn zu verharren und ohne ein Wort zu sagen von dannen zu ziehen. Eine andere Möglichkeit gab es nicht.
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Die Worte Dem Gegenüber Anpassen
Der Beduine lebt in der Wüste. Oftmals verliert er sein Kamel, vergisst irgendwelche Gegenstände oder gerät in einen Sandsturm, woraufhin er jammert und schreit. Was denkt und empfindet ein solcher Mensch? Was sagt er, wenn er in eine Notlage gerät? Sicher dasselbe, was auch der ehrwürdige Hamza einst zum Gesandten Gottes sagte, als er auf den rechten Weg gelangte: „O Muhammad! Während der finsteren Nächte in der Wüste habe ich begriffen, dass Gott viel zu groß ist, als dass man ihn in vier Wände zwängen könnte.“
All diejenigen, die sahen, dass Lāt, Uzzā und Hubal¹ zu nichts nütze waren, sagten dasselbe. Es war der Ruf des Gewissens tief in ihrem Inneren, und das Gewissen hatte recht. Viele Menschen mit einer ähnlichen Geisteshaltung kamen zum Gesandten Gottes, und er beantwortete alle ihre Fragen unter Berücksichtigung ihrer Herkunft und ihrer Gedankenwelt aufs Vortrefflichste, sodass sie den rechten Weg fanden und zu einem Stern am Firmament wurden.
Ahmed ibn Hanbal überliefert von Abū Taima – möge Gott an ihm Gefallen finden – den Bericht eines anderen Gefährten: Eines Tages saßen wir mit dem Gesandten Gottes zusammen, als ein Beduine herzutrat. Er sprach den Gesandten Gottes direkt an: „Bist du Muhammad?“ Der Gesandte Gottes reagierte überaus gutmütig darauf: „Ja, ich bin Muhammad.“ „Wozu rufst du auf?“ „Ich lade zur Anbetung Gottes des Ruhmreichen und Majestätischen ein. Aber nur zu Ihm. Er allein ist Gott und hat keine Teilhaber an Seiner Seite. Er ist der Gott, zu Dem du flehst, wenn dich ein Unglück trifft, und Er wird den Schaden wiedergutmachen. In Zeiten von Dürre und Not betest du nur zu Ihm. Er sendet den Regen und lässt das Gras wachsen. Wenn du in der unendlichen Weite der Wüste etwas verlierst, wirst du deine Hände zum Gebet an Ihn erheben und Er wird dich das Verlorene finden lassen.“ Sind das nicht großartige Worte? Wie jedes einzelne von ihnen lebenswichtige Aspekte des Beduinenlebens berührt! Dürre, Not, Unglück und Entbehrungen in der Wüste – man kann sich kaum vorstellen, was das bedeutet. Dem Beduinen, der all dies nur zu gut kannte, erzählte er von einer ewigen Macht, dem einzigen Zufluchtsort, der in solchen Situationen Schutz bieten kann. Das, was ihm tief im Inneren die Stimme des Gewissens sagte, hatte die gleiche Bedeutung. Allerdings war der Beduine noch nicht so weit, die Bedeutung dessen zu erfassen. Aber der Gesandte Gottes lehrte ihn gewissermaßen die Bedeutung dieser inneren Stimme. Der Beduine war von diesen Worten so berührt und überwältigt, dass er nicht anders konnte, als sich dem Gesandten Gottes zu ergeben und den Islam anzunehmen. Letztlich gelangte er sogar in den Rang eines Gefährten.² Das, was gesagt wurde, war sehr einfach ausgedrückt; keine rhetorischen Stilmittel und keine Wortspiele. In Wahrheit war dies den gegebenen Umständen genau angemessen und brachte den Beduinen dazu, den einen Gott anzubeten. Wem außer dem ehrwürdigen Muhammad – möge Friede mit ihm sein – war es vergönnt, aus Menschen, deren Herzen hart wie Stein waren, eine engelsgleiche Gemeinschaft hervorzubringen? Er setzte die Dynamiken, die ihm von Gott dem Wahren verliehen wurden, so meisterhaft ein, dass die Revolution, die er hervorrief, Historikern und Soziologen heute immer noch Rätsel aufgibt. Die Wellen, die entstanden, als der Prophet jene Juwelen in den Ozean des gesellschaftlichen Lebens warf, reichen bis an die Strände des 21. Jahrhunderts und ziehen sie in ihren Bann. Zweifelsohne wird sich das auch bis zum Jüngsten Tag nicht ändern. Menschen überall auf der Welt suchen in Scharen Schutz im Islam. Das ist nichts anderes als die Auswirkung der Wellen, die entstanden, als der Prophet jene Juwelen in den Ozean des gesellschaftlichen Lebens warf, und die nun an die Strände des 21. Jahrhunderts branden. Wer, wenn nicht der ehrwürdige Muhammad – möge Friede mit ihm sein – hätte solch eine göttliche Anziehungskraft hervorrufen können, die ihre Wirkung über Jahrhunderte hinweg entfaltet? Es gibt keinen Zweiten wie ihn. Ganz gewiss nicht, denn er ist der Eine, um dessentwillen der Kosmos und die Zeit existieren. Alles dient zu seiner Ehre.
Ein Beispiel Zu Fetanet Unseres Propheten (Renovierung der Kaaba)
Die Menschen, die zur Zeit der Unwissenheit lebten, waren gewissermaßen Kinder der Zwietracht – als ob sie einzig und allein dazu erschaffen worden wären, um Zwietracht zu säen. Kamen drei von ihnen zusammen, heckten sie gewiss einen Plan aus. Diese Menschen zusammenzuführen, aus ihnen Menschen zu machen, die einst allen Zivilisationen als Vorbild dienen würden, gehört zu den Wundern, die zu vollbringen nur dem Gesandten Gottes möglich war, aufgrund seiner prophetischen Weisheit, die himmlische Dimensionen annahm.
Die Ausbesserungsarbeiten an der Kaaba trugen sich in den Jahren vor der Berufung des Gesandten Gottes zu. Die Kaaba wurde renoviert und die Einsetzung des Schwarzen Steins führte zu Zerwürfnissen und Zwietracht zwischen den Stämmen, denn jeder wollte diese Ehre für sich beanspruchen. Zu jener Zeit war der Gesandte Gottes noch nicht mit der Gesandtschaft geehrt worden. Auch wenn sein Auftrag noch nicht keimte und Früchte trug, ruhte doch ein Kern gleichsam in seinem Geist, der auf den Frühling wartete, um zu wachsen und zu gedeihen.
Die Schwerter waren bereits gezückt, die Pfeile aus den Köchern geholt und die Bogen gespannt – der Konflikt war kurz davor zu eskalieren. Würde man keine Lösung finden, wer weiß, wie viele Jahre dieser Bürgerkrieg andauern und wie viele Leben er kosten würde. Einer von ihnen unterbreitete, aus welchem Grund auch immer, einen Vorschlag: „Lasst uns denjenigen, der als erster durch diese Tür in die Kaaba tritt, zum Richter erklären und uns seinem Spruch unterwerfen.“ Alle Anwesenden waren mit diesem Vorschlag einverstanden. Jeder wartete gespannt darauf, wer wohl als Erster eintreten würde, als sie den ehrwürdigen und auserwählten Muhammad erblickten. Sie sagten: „Der Vertrauenswürdige (al-Amin) kommt“, und berichteten ihm von ihrer Abmachung.
Die Lösung Unseres Propheten
(Es ist erst zu lesen, nachdem die Jugendlichen ihre Lösungen vorgeschlagen haben)
Er sagte: „Bringt ein großes Tuch.“ Sie brachten es. Der Schwarze Stein wurde in die Mitte des Tuches gelegt. Die Vorsteher der Stämme nahmen jeder eine Ecke des Tuches und brachten den Schwarzen Stein so bis zur Stelle, wo er eingesetzt werden sollte. Der Gesandte Gottes nahm den Stein und setzte ihn persönlich ein.
So wurde ein großer Bürgerkrieg verhindert. Ohne zu zögern, mit spielender Leichtigkeit, löste er diese verworrene und vor der Eskalation stehende Situation mit einer schnellen Reaktion, noch bevor man ihn darum bat. Wie könnte man das erklären, wenn nicht mit dem prophetischen Intellekt? Er war zu jenem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Prophet, sodass man sein Vorgehen mit einer göttlichen Offenbarung erklären könnte. Es bedarf eines ausgesuchten Intellekts und prophetischer Weisheit, um eine Last wie die des Prophetentums zu tragen. Sein Verstand übertraf alle Verständnisse, seine Logik alle Logiken und seine Auffassungsgabe alle Auffassungsgaben – eigentlich eine Grundvoraussetzung für jemanden, der die göttliche Offenbarung des Korans vermitteln würde.

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