Ehrlichkeit bedeutet wahrhaftig zu sprechen und sein Wort zu halten. Darüber hinaus umfasst sie auch Treue, aufrichtige Freundschaft, das Wünschen des Guten für andere um Allahs Willen, Zuverlässigkeit, die Einhaltung von Versprechen, den treuen Umgang mit Anvertrauten, sowie die sorgfältige Ausführung übernommener Pflichten. Das Gegenteil von Treue ist der Verrat. Verrat passt nicht zu einem reifen Muslim. Muslime sollten in ihren gegenseitigen Angelegenheiten und in allen Beziehungen zu anderen Menschen von Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit geprägt sein. Das Gegenteil von Wahrhaftigen (sıdk) ist die Lüge.
Wahrhaftigkeit zeigt sich in Wort, Gedanken und Taten. Gläubige geben die Wahrhaftigkeit niemals auf. Im Heiligen Koran wird die Bedeutung der Wahrhaftigkeit und Geradlinigkeit klar betont. Allahs sagt: “O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah und sprecht ein aufrichtiges Wort.” Diese Koran zeigt, dass ein gläubiger Mensch jederzeit ehrlich und aufrichtig sein muss.
Lügen zeigen sich nicht nur im gesprochenen Wort, sondern auch in Taten. Wenn jemand etwas sagt, aber das Gegenteil davon denkt oder beabsichtigt – dann ist das eine Lüge mit Worten. Ebenso gilt es als Lüge in der Tat, wenn man nicht umsetzt, was man sagt, seine Versprechen nicht hält oder nicht nach seinen Überzeugungen lebt.
So überliefert Abdullah ibn Amr: „Meine Mutter rief mich eines Tages, als der Gesandte Allahs (saw) in unserem Haus war. Sie sagte: ‚Komm, ich gebe dir etwas.‘
Der Prophet fragte: ‚Was hast du ihm geben wollen?‘
Sie sagte: ‚Ich wollte ihm eine Dattel geben.‘
Darauf sagte der Prophet: ‚Achte darauf: Wenn du ihm nichts gegeben hättest, wäre dir eine Lüge (als Sünde) aufgeschrieben worden.‘“
Das Frucht der Wahrhaftigkeit
Ein einfacher Stoffhändler verlud einst seine Waren auf ein Schiff und reiste nach Indonesien. Er ließ sich dort nieder und setzte sein Geschäft fort. Seine Stoffe waren hochwertig – genau das, was die Leute suchten. Er war ein genügsamer Mensch, der dachte: Lieber wenig, aber ehrlich verdienen.
Eines Tages kam er spät in sein Geschäft. Einer seiner Mitarbeiter hatte gute Gewinne gemacht. Er fragte:
– Von welchem Stoff hast du verkauft?
– Von diesem hier, Herr.
– Zu welchem Preis pro Meter?
– Für zehn Akçe.
– Wie bitte? Für fünf Akçe Ware hast du zehn genommen? Dieser Mensch wurde betrogen! Würdest du ihn wiedererkennen?
Der Mitarbeiter machte sich auf die Suche, fand den Kunden und brachte ihn. Kaum hatte der Ladenbesitzer ihn gesehen, bat er um Vergebung und gab ihm das zu viel bezahlte Geld zurück. Der Kunde war völlig erstaunt. Es war das erste Mal, dass ihm so etwas begegnete. Was bedeutet „Mach es mir halal“ überhaupt?
Die Geschichte verbreitete sich schnell – bis sie das Ohr des Königs erreichte. Der König ließ den Händler zu sich rufen und fragte:
– Wir haben so etwas noch nie erlebt. Was ist der Grund für dieses Verhalten?
– Ich bin Muslim. Der Islam gebietet so zu handeln. Der Kunde hatte ein Recht an mir – und damit war mein Verdienst nicht rechtmäßig. Ich habe nur einen Fehler korrigiert.
Der König begann, Fragen über den Islam zu stellen. Der Händler beantwortete sie. Zum ersten Mal hörte der König von solch einer Religion – und nahm sie bald an. Kurz darauf trat auch das Volk zum Islam über.
So wurde das heutige Indonesien mit über 250 Millionen Muslimen durch die Ehrlichkeit eines einzigen Menschen erreicht – durch ein Stück Stoff im Wert von fünf Akçe.
Was hatte der Händler getan? Er lebte, woran er glaubte – und teilte das Gute mit seiner Umgebung. Der Prophet sagte: „Ein aufrichtiger und vertrauenswürdiger Händler wird am Tag des Jüngsten Gerichts mit den Propheten, Wahrhaftigen und Märtyrern sein.“ Nicht Worte, sondern Taten wirkten. Nicht reden, sondern leben. Nicht erklären, sondern vorleben.