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33. Die Schönheiten und Vorteile des Glaubens

Vers al-Baqara-138 Sura 2 – Die Kuh (al-Baqara)

صِبْغَةَ‭ ‬اللّٰهِۚ‭ ‬وَمَنْ‭ ‬اَحْسَنُ‭ ‬مِنَ‭ ‬اللّٰهِ‭ ‬صِبْغَةً‭ ‬وَنَحْنُ‭ ‬لَهُ‭ ‬عَابِدُونَ

Übersetzung:

„Die Farbe vom Gott; gibt es jemanden noch Schöneren als den, der sich mit der Farbe vom Gott färbt? Und wir sind diejenigen, die seine Diener sind.“

Tafsir

„Die Farbe Gottes“ (sıbgatullah) wird in den Kommentaren als „Islam, die Farbe des Islam, Hanîfismus, die ewige, unveränderliche Religion Gottes (al-dîn al-qayyim), die Religion, die vom Propheten Nûh und allen Propheten nach ihm offenbart wurde, die reine Natur, die Gott der menschlichen Natur verliehen hat, Gottes Gesetz (sunnatullah), Sein Urteil, Gottes Reinigung“bezeichnet. Die Religion, die vom Propheten Noah und allen Propheten nach ihm offenbart wurde, die reine Natur, die Gott der menschlichen Natur verliehen hat, Gottes Gesetz (sunnatullah), die Anklage, Gottes Reinigung und Läuterung, die Beschneidung“(siehe Tabari, I, 570 572; Zamakhshari, I, 97; al-Razi, IV, 86 – 87). Das Original und die Essenz der göttlichen Wahrheiten, von denen berichtet wird, dass sie den im vorigen Vers erwähnten Propheten offenbart oder gegeben wurden, ist die wahre Religion, d. h. die Religion, die sich vom ersten bis zum letzten Propheten nicht verändert hat, mit ihren Lehren wie dem Glauben an die Existenz und die Einheit Gottes, der Anerkennung Gottes als Herrn und der Anbetung Gottes, der Beachtung allgemeiner moralischer Grundsätze wie Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit usw., dem Glauben an den Jüngsten Tag und daran, dass jeder an diesem Tag für seinen Glauben und seine Taten zur Rechenschaft gezogen wird. Die „Farbe Gottes“oder die geistige Vollkommenheit, die durch das Befolgen und Leben dieser Religion erreicht wird. Nach Ansicht der Ausleger weist der Vers indirekt auf die Ungerechtigkeit der Taufpraxis der Christen hin. Denn sie glauben, dass sie neugeborenen Kinder durch das Eintauchen in ein gelblich gefärbtes Wasser zum wahren Christentum bringen und sie damit bemalen. Dem Koran zufolge kann wahre Frömmigkeit jedoch nicht durch solche künstlichen Mittel und symbolischen Praktiken erreicht werden; wahrer Glaube kann nicht durch das Ein- und Austauschen in solch gefärbtes Wasser gewonnen werden. Wahrer Glaube wird erlangt, indem man sich mit der Farbe Gottes bemalt, indem man sich mit der wahren Religion schmückt, die Gott bei der Schöpfung in die reine Natur des Menschen gelegt hat. Es gibt nichts Schöneres, als mit einer solchen Religion gefärbt und mit einem solchen Wesen geschmückt zu sein, das Gott den Menschen gegeben hat, und eine künstliche Praxis wie die Taufe kann niemals ein Ersatz für eine solche Religion und einen solchen Glauben sein. Nach der Aussage des Verses gehört es sich für einen Muslim, Gott, der ihm und der Menschheit im Allgemeinen diese Schönheiten geschenkt hat, so zu dienen, wie es ihm gebührt, und diese Dienlichkeit als Ausdruck der Dankbarkeit zu zeigen. Ein Mensch, der auf diese Weise glaubt und dient, ist mit der wahren Religion Gottes gefärbt, oder mit der Farbe seines Wesens, das dem Glauben an Tawhid zugeneigt ist, und es gibt keine bessere Reinigung und Verzierung als diese.

Das 23. Wort

Einführung in die Vorzüge des Glaubens und des Gebets (Das dreiundzwanzigste Wort)
بِسْمِ‭ ‬اللهِ‭ ‬الرَّحْمٰنِ‭ ‬الرَّحيمِ
لَقَدْ‭ ‬خَلَقْنَا‭ ‬اْلاِنْسَانَ‭ ‬فِۤى‭ ‬اَحْسَنِ‭ ‬تَقْوِيمٍ‭ ‬ثُمَّ‭ ‬رَدَدْنَاهُ‭ ‬اَسْفَلَ‭ ‬سَافِلِينَ‭ ‬اِلاَّ‭ ‬الَّذِينَ‭ ‬اٰمَنُوا‭ ‬وَعَمِلُوا‭ ‬الصَّالِحَاتِ
Wir schufen den Menschen erst nach dem wertvollsten Bilde,
Dann ließen wir ihn sinken in die tiefste Tiefe,
Die ausgenommen, die glauben und das Gute tun […]

Erster Punkt: Der Mehrwert des Glaubens

Der Mensch erlangt durch das Licht des Glaubens den Wert der höchsten Höhe und ist somit des Paradieses würdig. Die Dunkelheit der Verkennung hingegen lässt den Menschen im Wert auf die tiefste Tiefe sinken, sodass er in eine Lage gerät, welche den Abgrund zur Folge hat. Denn der Glaube verbindet den Menschen mit seinem großartigen Schöpfer. Der Glaube ist eine Verbindung, eine Beziehung. Demzufolge spiegeln sich die Kunstfertigkeit Gottes und die Reflexion seiner Namen in der Schöpfung durch das Licht des Glaubens im Menschen wider. Schließlich gewinnt er gemäß den Reflexionen der Kunst Gottes an Wert.
Verleugnung (kufr) hingegen trennt diese Verbindung [und erkennt diese Zugehörigkeit nicht an]. Sie verbirgt die Kunst Gottes und reduziert den Wert des Menschen auf das bloße materielle Dasein – vergängliches, sterbliches, flüchtiges, tierisches Leben. Durch ein Gleichnis möchten wir diese Erkenntnis noch näher erläutern:

Die Allegorie vom Kunstmarkt und dem Schrotthändler

Bei menschlichen Kunstwerken ist zwischen dem materiellen und dem künstlerischen Wert zu unterscheiden. Es kommt vor, dass Materialwert und Kunstwert gleich sind. Manchmal ist der materielle Wert größer, manchmal der künstlerische. Gelegentlich kann es sein, dass eine Antiquität aus Eisen mehrere Millionen kostet, während ihr Materialwert nur wenige Cents beträgt. Bringt man einen antiken Kunstgegenstand auf einen Kunstmarkt und präsentiert ihn unter Bezugnahme auf seinen namhaften und tüchtigen Künstler und in Gedenken an seine Kunstfertigkeit, kann der Verkauf Millionen einbringen. Bringt man dasselbe Kunstwerk jedoch zu einem Schrotthändler für Eisen, wird sein Preis nach dem Materialwert bestimmt.

Von der Allegorie zur Wahrheit

Auch der Mensch ist ein unbezahlbares und einzigartiges Kunstwerk Gottes, vergleichbar mit einer raren Antiquität. Er ist das eleganteste und feinste Wunder seiner Allmacht. Ihm wurde die Ehre erwiesen, all die Namen Gottes in einer verkleinerten und verkürzten Form widerzuspiegeln und eine Präsentation dieser Namen in der Welt zu sein.
Strömt das Licht des Glaubens in den Menschen ein, so lassen sich all die bedeutsamen kalligrafischen Ornamente in ihm entziffern. Durch sein Glaubensbewusstsein liest der gläubige Mensch die Botschaften dieser Kunstfertigkeiten zuerst selbst, und durch seine Verbindung zu Gott lehrt er andere, diese ebenfalls zu lesen. Insofern offenbart sich die Kunst Gottes, welche durch den Menschen verkörpert wird, durch Deutungen wie: „Ich bin das Werk und die Schöpfung des großartigen Künstlers und das Ergebnis seiner Größe und Barmherzigkeit.“
Der Glaube, welcher aus geistlicher Verbindung besteht, macht alle möglichen Facetten der [göttlichen] Kunst sichtbar. Folglich lässt sich der Wert des Menschen durch das Bündnis des Glaubens als „göttliches Kunstwerk“bestimmen und richtet sich nach der Spiegelung des unabhängigen Einenschöpfers. So erhebt sich der Mensch aus seiner physischen Bedeutungslosigkeit, nimmt – aus dieser Perspektive über jedes andere Geschöpf erhaben – die Position von einem würdigen „Ansprechpartner Gottes“ein und wird somit zu einem ewigen „Gast des Herrn“, der seines Paradieses würdig ist.

Verleugnung bedeutet Trennung vom Schöpfer

Dringt die Verkennung, welche aus der Trennung dieser Verbindung besteht, in [das Herz] des Menschen ein, so versinken all die bedeutsamen und sinnreichen kalligrafischen Ornamente der Gottesnamen in Dunkelheit und lassen sich nicht mehr entziffern. Wird der Künstler demzufolge vergessen, so werden die auf ihn bezogenen metaphysischen und sinnreichen Facetten seiner Kunst unverständlich – das Kunstwerk wird gewissermaßen dem Untergang geweiht. Die meisten sinnreichen erhabenen Künste und die meisterlichen metaphysischen Ornamente bleiben verborgen. Die restlichen, unübersehbaren physischen Künste und Ornamente hingegen werden banalen Ursachen, dem Zufall und der blinden Natur zugeschrieben, womit letztlich die Kunst ganz und gar untergeht und verschwindet. [Ohne Künstler kann nicht von Kunst die Rede sein, sondern allenfalls von einem „Spielzeug des Zufalls“.] Während jedes dieser kalligrafischen Ornamente eigentlich ein funkelnder Diamant ist, erkennt man darin nur ein trübes Stück Glas. Folglich reduzierten sich Bedeutung und Wert des Menschen auf tierische Materie. Die tierische Existenz – wie am Anfang erwähnt – verspricht für den Menschen nicht mehr als ein kurzes, flüchtiges, bruchstückhaftes Leben. Aus dieser Perspektive verbringt der Mensch sein Leben als das bedürftigste, machtloseste und traurigste aller Tiere. Am Ende erwartet ihn nur die Verwesung. So zerstört die Perspektive der Verkennung die Essenz des Menschen und verwandelt sie von einem kostbaren Diamanten in wertlose Kohle.

Geri Bildirim

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