Die „letzte Reise“, die alle Menschen antreten müssen, beginnt mit unserem Tod. Es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder die Gefahr, in die Grube der Hölle zu fallen, oder das Paradies zu sehen, wo unser Wunsch nach ewigem Leben sowie alle unsere Bedürfnisse und alle unsere menschlichen Wünsche erfüllt den, ganz zu schweigen von den Aufmerksamkeiten und Schönheiten, die kein Auge je gesehen und kein Ohr je gehört hat – das ultimative Ziel, die Gnade zu erhalten, unseren Herrn, der uns aus dem Nichts erschaffen hat, zu sehen.
Der Tod
Der Tod ist für alle Menschen ein unvermeidliches Ende des diesseitigen Lebens. In 62. Sure, Vers 8 heißt es im Koran:
„Sprich: Der Tod, vor dem ihr flieht, wird euch erreichen. Dann werdet ihr zu dem, der das Unsichtbare und das Offenbare kennt, zurückgebracht, und er wird euch kundtun, was ihr zu tun pflegtet.“
Der Koran als islamische Hauptquelle versteht den Tod nicht als das Ende des Menschen, sondern als Tor vom Diesseits zum Jenseits, wo sowohl die guten als auch die schlechten Taten belohnt oder geehrt werden.
Ist der Tod sehr beängstigend oder ist er eigentlich ein schönes Ereignis?
Jeder Mensch hat eine bestimmte Zeitspanne, um auf der Welt zu leben. Wenn diese Zeitspanne endet, stirbt der Mensch. Wenn die vom Gott bestimmte Zeit gekommen ist, verlässt die Seele den Körper. Die Trennung der Seele vom Körper wird als „Tod“bezeichnet. „Jeder wird den Tod erleiden. Euch wird euer Lohn am Tag der Auferstehung voll erstattet. Wer vom Feuer weggerückt und ins Paradies geführt wird, hat das Ziel erreicht. Das diesseitige Leben ist ja nur eine betörende Nutznießung.“(Sure 3/185) Der Tod ist nicht gleichbedeutend mit der Auslöschung. Es ist der Übergang vom vorübergehenden Leben in dieser Welt zum ewigen Leben im Jenseits.
Das Grab
Der Sterbeprozess bzw. das Grab sind ein zeitlicher und örtlicher Übergang zum Jenseits. Die Seele verlässt im Sterbeprozess den Körper bis zum jüngsten Gericht bzw. Auferstehungstag, wo sie sich miteinander vereinigen [2:409]. Wenn ein Mensch stirbt, zerfällt sein Körper in der Erde, aber seine Seele, die sich vom Körper trennt, stirbt nicht. Im Grab wird der Mensch von den Grabengeln Munkar und Nakir befragt. Für diejenigen, die die Fragen richtig beantworten, wird das Grab ein Ort der Ruhe sein; für diejenigen, die nicht antworten können, wird es ein Ort der Qual sein. Dieser Aufenthaltsort wurde in einem Prophetenspruch mit einem Paradiesgarten oder dem Höllenpfuhl verglichen.
Unser Prophet (Friede sei mit ihm) erklärt den Zustand wie folgt: „Das Grab ist die erste Station des Jenseits; wenn man es erfolgreich besteht, ist alles leichter, was danach kommt; und wenn man es nicht erfolgreich besteht, ist alles schwerer, was danach kommt.“
Der Jüngste Tag
Die Welt und alle Wesen auf ihr werden zu einem bestimmten Zeitpunkt, der von Gott festgesetzt ist, mit einem vom Erzengel Israfil ausgeführten Posaunenstoß, untergehen. Diese auch dem Propheten Muhammad verborgene Zeit heißt yaum al-qiyama, der Jüngste Tag. Im Koran begegnen wir eindrucksvollen Schilderungen des jüngsten Tages und des Endgerichts:
„O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn. Das Beben der Stunde ist eine gewaltige Sache. Am Tag, da ihr seht, wird jede Stillende aus Entsetzen übersehen, was sie eben gestillt hat, und jede Schwangere wird mit dem niederkommen, was sie trägt. Und du siehst die Menschen trunken, obwohl sie nicht betrunken sind. Aber die Pein Gottes ist hart.“(Sure 22/1 – 2)
Das Jüngste-Gericht, Belohnung, Bestrafung, Paradies, Hölle
Nachdem alles Existierende vernichtet wurde, werden die Menschen, die seit Anbeginn auf Erden gelebt haben, zum Leben erweckt und vor Gottes Gericht gebracht (Jahr, d.h. Versammlung der Toten)(Sure 22/5 – 7).
Am Jüngsten Gericht werden alle Taten des Menschen durch eine himmlische Waage (Mizan) abgewogen und es wird über die Belohnung oder Bestrafung des Menschen entschieden. Die genaue Entscheidung, die dabei herauskommt, ist als ein Zeichen der göttlichen Gerechtigkeit zu verstehen, was im Koran folgenderweise vorkommt:
„Wenn dann einer (auch nur) das Gewicht eines Stäubchens an Gutem getan hat, wird er es zu sehen bekommen. Und wenn einer (auch nur) das Gewicht eines Stäubchens an Bösem getan hat, wird er es (ebenfalls) zu sehen bekommen.“(Sure 99/7 – 8)
Hölle und Paradies sind die Orte der Bestrafung bzw. Belohnung der Menschen. Sowohl im Diesseits als auch im Jenseits prägt die Barmherzigkeit Gottes enorm die islamische Gottesvorstellung. „Im men Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen“(Bismillahirrahmanirrahim) ist der Anfangssatz, was ein Muslim vor Beginn einer Arbeit oder z.B. eines Gebetssagen sollte bzw. muss. Dieser Satz unterstreicht die Barmherzigkeit Gottes. Göttliche Gnade und Zorn sind im Islam als Konsequenz der göttlichen Gerechtigkeit zu verstehen. Er belohnt die guten Taten im Paradies und bestraft schlechte Taten mit der Hölle. In einer Überlieferung vom Propheten Muhammad heißt es: „Meine Barmherzigkeit übertrifft meinen Zorn“[12:263, Bd.7], auch wenn Gott Gnade und zugleich Zorn besitzt, überwiegt seine Barmherzigkeit in der Gottesvorstellung.
İMAN