Das Wort „Zikr“/“Dhikr“stammt aus dem Arabischen und ist ein zentraler Begriff in der islamischen Mystik, insbesondere im Sufismus. Dhikr bezieht sich auf das Gedenken oder die Erinnerung an Gott durch wiederholtes Rezitieren von bestimmten Gebeten oder Namen Gottes, Das Dhikr kann in verschiedenen Formen praktiziert werden, einschließlich des stillen inneren Gedenkens oder des gemeinschaftlichen Rezitierens in der Gruppe. Es dient dazu, die Verbindung zu Gott zu vertiefen, das spirituelle Bewusstsein zu schärfen und die Liebe und Hingabe zu Gott zu stärken. Dhikr kann auch als Mittel zur Reinigung der Seele und zur Erreichung spiritueller Erleuchtung angesehen werden.
Dhikr ist eine spirituelle Praxis, die darauf abzielt, die Anhänger näher zu Gott zu führen und ihnen zu helfen, die göttliche Gegenwart in ihrem Leben zu erfahren.
II. Das Wort „Vird“(Plural von „Evrad“) ist ein Begriff aus dem Sufismus. Es bezieht sich auf eine Art von spiritueller Praxis oder spirituellen Ritenl. In der Sufi-Tradition bezieht sich „Vird“auf eine regelmäßige und bestimmte Abfolge von Gebeten, Dhikr (das Gedenken, oder die Erinnerung, an Gott bzw. Seiner Attribute) und anderen spirituellen Übungen. Diese Übungen haben das Ziel, die Verbindung zu Gott zu vertiefen, spirituelles Wachstum zu fördern und die Seele auf dem Weg zur Erkenntnis und Einheit mit Gott zu unterstützen.
Anbetung
Gott anzubeten heißt, sich selbst als Diener Gottes und Gott als das einzig wahre Objekt der Anbetung wahrzunehmen. Gott anzubeten heißt auch, das eigene Leben den Beziehungen zwischen einem wahren Diener und dem wahren Objekt der Begierde entsprechend zu gestalten: d.h., im Lichte der Tatsache, dass wir selbst erschaffen wurden und unser Gegenüber unser Schöpfer ist.
Anbetung bedeutet Dankbarkeit für jene Gunst Beweise wie Leben, Bewusstsein, Wahrnehmungsfähigkeit und Glauben, mit denen wir ausgestattet wurden, während eine Vernachlässigung der Anbetung von primitiver Undankbarkeit kündet.
Die Anbetung ist eine Straße, die uns von jenem Wesen, das uns aufträgt, zu beten, geebnet wurde. Sie ist eine Sammlung angemessener Verhaltensweisen, die zu befolgen Er uns befohlen hat, damit wir letzten Endes zu Ihm gelangen und unser Glück in dieser und der kommenden Welt finden. Kein Mensch, der diesen Weg nicht findet und sich diese Verhaltensweisen nicht aneignet, wird jemals in der Lage sein, zu Gott zu gelangen.
Die Anbetung ist der sicherste Weg, sich der unerschütterlichen Gewissheit über jene bedeutendste Wahrheit, die zu Beginn nur theoretisch erfasst wird, bewusst zu werden. Auf jeder Station dieses Weges, auf dem das Bewusstsein auf den Flügeln der Ehrerbietung und des Respekts Sicherheit sucht, bekommt der Mensch einen neuen Vorgeschmack darauf, wie es ist, einen Blick auf den Geliebten Einen zu werfen.
Einige Menschen, die sich der Wahrheit verschlossen haben, haben ihr Leben allein mit dem Studium theoretischer Belange verbracht. Selbst wenn sie in der betörenden Gesellschaft der sprachgewandtesten Zungen leben und die faszinierendsten Erzählungen über die Wahrheit zu hören bekommen, gelingt es ihnen nicht, dieser auch nur einen Meter näher zu kommen.
Die Anbetung ist ein gesegneter, immer größer werdender Schatz, aus dem sich die Ideen und Überlegungen des Menschen mit Ehrbarkeit, Rechtschaffenheit und Tugend verpflegen. Sie ist ein Elixier, das die angeborene Neigung des Menschen zur Selbstsucht korrigiert. Wer bei diesem Schatz nur wenige Male am Tag Zuflucht nimmt, wer über die Wahrheiten Gottes nachsinnt und Seiner gedenkt, ist auf dem besten Wege, ein vollkommener Mensch zu werden und darüber hinaus vor den Versuchungen des fleischlichen Selbst gewappnet.
Zu Gott zu beten bedeutet, von der Möglichkeit, zu einem Engel zu werden, der wie geschaffen für das Paradies ist, Gebrauch zu machen und die triebhaften Neigungen und Kräfte zu zähmen. In der Geschichte der Menschheit ist es bis heute vielen Menschen über den Weg der Anbetung gelungen, die Engel zu übertreffen. Viele andere haben sich jedoch geweigert, Gott anzubeten, und sind in die tiefsten Abgründe gestürzt.
Zu den verdienstvollsten Handlungen der Dienerschaft gehören die Kenntnis Gottes, die Liebe zu Gott, dem Allmächtigen, und der Großmut gegenüber den Menschen. Doch wenn es etwas gibt, was noch verdienstvoller und empfehlenswerter ist, dann sind dies die Suche nach der Zustimmung und dem Wohlgefallen Gottes bei allem, was man tut, und die Suche nach dem wahrhaft höchsten Ideal im Leben (die der Aufforderung Sei aufrichtig, so wie dir befohlen wurde. entspringt).
Lesetext aus der Fontäne Jugend
Alice beim Kinderarzt
Emin Dayı
Die kalte Winterzeit war wieder da und überall lag Schnee auf den Straßen. Die Geschwister Luca und Alicia fanden keine andere Beschäftigung, als das zehnte Mal einen Schneemann zu bauen. Doch an diesem Morgen fühlte sich Alicia etwas krank. Einen Tag zuvor hatte sie nicht auf ihre Mutter gehört und ihren Schal zu Hause gelassen. Nun hatte sie Halsschmerzen, doch die liebevolle Mutter der Geschwister kümmerte sich dennoch um Alicia, ohne sie zu kritisieren. Alicia wollte lernen, wie es ist, allein zum Arzt zu gehen. Also fuhr die Mutter sie zum Kinderarzt und wartete am Parkplatz auf die erkrankte Alicia. Nach einer langen Wartezeit hörte Alicia endlich ihren Namen im Flur der Arztpraxis und setzte sich in einen Behandlungsraum. Der Arzt kam schon nach kurzer Zeit und fragte Alicia, was sie denn habe. Alicia antwortete, dass sie erkältet sei und ganz dringend ein sehr starkes Antibiotikum brauche, um die Viren zu besiegen. Der Arzt schaute Alicia an und fing an zu lachen. Er erklärte ihr, dass man mit Antibiotika nur Bakterien behandeln kann. Daraufhin verschrieb er ihr lediglich Schmerztabletten und einen Hustensaft. Alicia war traurig darüber, dass sie ihr Antibiotikum nicht bekommen hatte. Sie begab sich mit der Mutter zur Apotheke und anschließend wieder nach Hause. Dort wollte sie ihrem Bruder Luca von dem Besuch beim Kinderarzt erzählen. Währenddessen setzte sich die Mutter mit an den Tisch und hörte Alicia interessiert zu. Alicia erzählte davon, wie der Arzt ihr andere Medikamente verschrieben hat, als jene, die sie haben wollte. Das habe sie ziemlich enttäuscht.
Die Mutter ging, nachdem sie Alicia angehört hatte, dazwischen und sagte: „Es ist normal, dass der Arzt nicht immer das verschreibt, was du haben möchtest. Der Arzt weiß natürlich viel besser, was du in deiner Situation benötigst und was gegebenenfalls eben nicht. Er gibt dir also entweder genau das, was du haben möchtest, etwas Besseres, als das, was du haben wolltest oder manchmal auch einfach gar nichts, weil er weiß, dass du es nicht brauchst bzw. dass es dir schaden wird. Genau so ist das doch auch mit den Bittgebeten, die wir unserem Schöpfer gegenüber sprechen. Wenn wir wollen, dass etwas unbedingt passiert, können wir unsere Bittgebete sprechen.“
Luca entgegnete der Mutter: „Aber ich habe so oft schon Bittgebete gesprochen, die einfach nicht erfüllt worden sind.“
Die Mutter sagte daraufhin: „Das mag vielleicht auf den ersten Blick so aussehen, Luca. Aber unser Schöpfer sagt, dass es auf jedes Bittgebet eine Antwort gibt. Nur musst du dabei einfach verstehen, dass das Beantworten und das Akzeptieren eines Bittgebetes zwei verschiedene Dinge sind. Ja, auf jedes Bittgebet gibt es eine Antwort. Nur das Akzeptieren und das Erwünschte auch wirklich zu geben, ist dem Schöpfer und seiner Weisheit überlassen. Die Aussage unseres Schöpfers, was wir denn für eine Funktion hätten, wenn wir keine Bittgebete aussprechen würden, zeigt einfach, wie wichtig diese für uns doch eigentlich sind. Wisst ihr, Kinder, an manchen Orten sprechen die Menschen Bittgebete aus, weil es dort lange nicht geregnet hat. Das bedeutet, dass es also einen Zeitraum für dieses Bittgebet gibt, nämlich dann, wenn es nicht regnet. Wir merken also an einem gewissen Moment, dass wir in Schwierigkeiten sind, und wenden uns mit unseren Bittgebeten an unseren Schöpfer. Wenn trotz mehrmaliger Bittgebete die Probleme nicht behoben werden, sollte man nicht sagen, dass unser Gebet nicht erhört wurde, sondern, dass der Zeitpunkt für die Lösung des Problems anscheinend noch nicht gekommen ist. Sobald unser allmächtiger Schöpfer das Problem behebt, endet also die Zeit für das Gebet für das jeweilige Problem.“
Alicia fragte ihre Mutter, ob es denn verschiedene Arten von Bittgebeten gebe. Die Mutter antwortete: „Natürlich. Sie unterteilen sich vor allem in zwei Arten. Erst einmal müssen die Voraussetzungen erfüllt sein, damit das Erbetene auch wirklich geschehen kann. Wenn z.B. du, Alicia, in Mathe eine Eins schreiben willst, dann musst du für deine Arbeit gelernt haben, ansonsten sieht es damit schlecht aus. Dieses Erfüllen der Voraussetzungen kann man als Handlung, aber auch als Gebet bezeichnen.
Darauf folgt ein zweiter Teil des Gebetes, das eigentliche Aussprechen des Erwünschten als Bittgebet. Dabei muss es nicht wirklich sprachlich ausgesprochen werden. Es reicht auch, dies im Herzen zu verspüren und zu wissen, dass mein Gebet von jemandem erhört wird. Dabei geht es darum, zu zeigen, dass man selbst alle Voraussetzungen für das Geschehen des Erwünschten erfüllt hat oder versucht hat zu erfüllen und nun die Sache dem Schöpfer und seiner Weisheit überlässt.“
Es wird klar, dass das Bittgebet für den Menschen unumgänglich ist. Selbst in der schwersten Situation gibt es jemanden, der unser Hilfeersuchen erhört und die unendliche Macht besitzt, uns im richtigen Zeitpunkt diese Hilfe zu geben. Das Bittgebet ist also die Essenz des Gottesdienstes.