Glaube an Gottes Existenz und Einheit ist ist im Islam der erste Grundstein an den geglaubt werden muss. Ohne diesen Glauben ist es nicht möglich, an die Engel, die Bücher, den Propheten und anderen Glaubensgrundlagen zu glauben. Diese Grundlagen hängen alle vom Glauben an Gott ab. Jeder Mensch, der über geistige Gesundheit verfügt und die Pubertät erreicht hat, hat die erste Aufgabe, seinen Schöpfer zu kennen, seinen Glauben an Gott zu richten und Dienerschaft (kulluk) auszuüben.
„(Er ist) der Herr der Himmel und der Erde und all dessen, was zwischen ihnen ist; darum bete nur Ihn allein an, und sei standhaft und geduldig in deinem Dienst an Ihm. Kennst du irgendjemanden, dessen Namen es gebührt, gemeinsam mit dem Seinen genannt zu werden (als Gottheit und Herr, der anzubeten ist)?“ (Mariam 19/65).
Für jeden Menschen, der Verstand und freien Willen besitzt, ist die erste Pflicht (Mukallaf), an Gott zu glauben. Dieser Glaube beinhaltet den Glauben an Gottes Existenz, Einheit und dass es keinen Gott außer Allah gibt.
Glaube der Muslime an Gott
Es gibt Gott, Er ist eins und er ist einzig. Gottes Existenz hat weder einen Anfang noch ein Ende. Er ähnelt keinerlei Geschöpfen. Gottes Existenz besteht von sich selbst. Er selbst ist von nichts und niemandem abhängig, alles auf der Welt ist von Ihm abhängig.
Gott ist stets am Leben. Er weiß, sieht und hört alles. Gott ist Allmächtig und Er ist Schöpfer und erschafft was Er will aus dem Nichts. Wer auf diese Weise an Gott glaubt, stellt sogar alleine, wenn ihn keiner sieht, nichts Unmoralisches an. Denn diejenige Person weiß, dass Gott ihn jederzeit sieht, hört und über Alles Bescheid weiß, was die Person tut.
Existenz Gottes aus wissenschaftlicher Sicht
Der Islam hat den Verstand und Wissen immer gefördert und es als Teil des Gottesdienstes (ibadet) gesehen, das Universum zu verstehen. Laut der islamischen Tradition gibt es zwei Bücher Gottes: den erhabenen Koran, dessen Name sich von „kelâm” (türkisch=Wort) ableitet und das Universum, dessen Begrifflichkeit von „kudret“ (türkisch=Macht, Stärke) stammt.
Die moderne Wissenschaft erforscht das Buch des Universums. Ob die Forscher/innen gläubig sind oder nicht: sie erklären alle dabei die Kunst des Schöpfers. Die wahre Fähigkeit ist es den wahren „Künstler” zu sehen.
Die Kunst des Lebens: von der Botanik bis zur Zoologie
Die Wissenschaft der Botanik zeigt zum Beispiel, wenn sie einen Baum untersucht, wie die Elemente im Boden zu einer vollkommenen Nahrung, zu Blüten und zu Früchten werden.
Nun lasst uns barmherzig überlegen: Wie kann der geistlose Boden, der fern von Wissen, Wille und Macht steht, solch eine wunderbare Maschine erschaffen? Die Botaniker sind nicht in der Lage, in ihren Laboren ein einziges Blatt zu erschaffen. Wie schafft es ein Baum, welcher aus Holz besteht, wunderschöne Blumen und Früchte zu erbringen? Sind die Bäume mit ihrer prächtigen Schöpfung kein Beweis dafür, dass es einen Schöpfer mit unendlicher Fähigkeit geben muss?
Die Wissenschaft der Zoologie zeigt, dass die Tierwelt wie eine „Fabrik“ arbeitet: Die Biene produziert Honig, die Seidenraupe Seide und das Schaf Milch. Aus Stroh und Wasser diese großartige Nahrung, nämlich Milch, hervorzubringen, schafft nicht das verstandlose Schaf, sondern Gott, dessen Kraft unendlich ist. „Wir haben den Himmel, die Erde und alles, was zwischen ihnen ist, nicht umsonst erschaffen.” (Sa’d 38/27)
Jedes Lebewesen zeigt genauso wie der Pinsel eines Künstlers, der Stift eines Autors, der Hammer eines Tischlers, die Kunst des Schöpfers.
Astronomie und die perfekte Balance
Die Wissenschaft der Astronomie zeigt: Die Erde bewegt sich im leeren Raum mit einer Geschwindigkeit, die viel höher ist als die einer Kugel. Und trotzdem dreht sie sich, „ohne Motor und ohne Pilot“, ohne von ihrer Bahn abzuweichen. Dieses gewaltige Gleichgewicht im Sonnensystem besteht seit Millionen von Jahren, ohne zusammenzubrechen.Der Koran beschreibt dieses Gleichgewicht folgendermaßen: „Die Sonne und der Mond unterliegen einer genauen Berechnung” (Ar-Rahmān 5)
In einer Welt, in der sogar Flugzeuge mit Piloten in der Luft zusammenstoßen können: Welche Vernunft und welche Macht lässt die Planeten in einer gewaltigen Ordnung kreisen, ohne dass sie miteinander zusammenstoßen?
Der Mensch als einzigartiges Kunstwerk
In diesem ganzen System ist der Mensch für sich allein ein Wunder. Der Mensch, der denkt, träumt, fühlt und ist sich seiner eigenen Existenz bewusst. Auch mit seinem körperlichen Aufbau ist er ein Meisterwerk der Kunst.
Die Medizin macht deutlich: Im menschlichen Körper zeigt sich überall ein einzigartiges Design. Im Rhythmus des Herzens, in den kilometerlangen Blutgefäßen, in der Fähigkeit der Lunge, das Blut zu reinigen, und in der Komplexität jeder einzelnen Zelle.
Der edle Koran betont diese einzigartige Erschaffung des Menschen und sagt:
„Wahrlich, Wir haben den Menschen in schönster Gestalt erschaffen (als vollkommenes Musterbeispiel der Schöpfung)” (Tin 4)
So wie eine Statue auf ihren Bildhauer hinweist und ein Gebäude auf seinen Architekten, so macht auch der menschliche Körper, dessen Vollkommenheit die Wissenschaft zeigt, natürlich den „Sâni“ (den Künstler und Schöpfer) bekannt, der ihn gestaltet hat.
Zusammenfassend kann man sagen: die Wissenschaft is eigentlich die Kunst Gottes Werke zu untersuchen. Jeder Mensch, der seinen Verstand benutzt, sollte diese „Unterschrift“, die in jedes Teilchen des Universums eingeprägt ist, lesen und sich jener unendlichen Macht ergeben, die die Zügel aller Dinge in der Hand hält.
Beweis für die Existenz Gottes und Imam Azam
Als Imam Azam Abu Hanifa noch ein kleines Kind war, kam ein ungläubiger Mann in seine Heimatstadt Bagdad. Dieser Mann war sehr selbstbewusst. Er fragte „Wer kann mir Gottes Existenz beweisen?“ Die Anwesenden zeigten auf Imam Azam. Der Mann schaute mit erniedrigenden Blicken auf den jungen Gelehrten und sagte „Dann lass mal hören, wie du Gottes Existenz beweisen wirst!“ In ihrer Umgebung sammelten sich viele neugierige Zuhörer.
Imam Azam sagte: „Ich habe meine Bücher zu Hause vergessen und gehe sie eben mal holen.“ Somit ging er weg und kam eine lange Zeit nicht wieder. Jeder merkte, dass etwas nicht stimmte, da Imam Azam ein sehr vertrauenswürdiger Mensch war. Er log nie und war stets ehrlich. Die Leute sorgten sich um ihn, da er sich sicher melden würde, wenn er nicht mehr kommen sollte. Nach einer langen Zeit erschien Imam Azam. Der ungläubige Mann eilte zu Wort: „Wo bist du geblieben? Hast du etwa Angst bekommen, die Existenz Gottes nicht beweisen zu können?“
Imam Azam antwortete sehr gelassen: „Nein, solch eine Angst habe ich nicht. Denn die Existenz Gottes zu beweisen, ist eine sehr einfache Aufgabe. Trotzdem hat meine Verspätung einen Grund. Mein Haus befindet sich auf der gegenüberliegende Küste. Wie ihr wisst, fließt mitten durch Bagdad ein riesiger Fluss. Als ich diesen überquerte, wurde ich auf der anderen Seite von einem Sturm und einer Flut überrascht. Es gab keine Möglichkeit wieder zurückzukehren, weder ein Boot noch eine Brücke. Der ungläubige Mann fragte: „Wie hast du es nun geschafft, zurückzukommen?”
Imam Azam erzählte weiter: „Ja, das erzähle ich jetzt. Ich stand am Ufer und plötzlich rollten große Steine vom Ufer in den Fluss und bildeten Brückenpfeiler. Zudem flogen aus dem Himmel Holzbalken und legten sich als Pfad auf die Pfeiler. Daraufhin kamen Nägel angeflogen und befestigten blitzschnell die Holzbalken auf die Pfeiler. Währenddessen rutschte etwas Boden vom Ufer unter meinen Füßen weg und verdeckte die Balken. Somit kam eine große Brücke mit einem breiten Pfad zustande. „Ich überquerte sie und konnte so zurückkommen.“
Alle schauten sehr verwundert. Der ungläubige Mann sprach: „Habt ihr mir statt einem jungen Gelehrten etwa einen hirnlosen Jungen herbeigeführt? Ich habe keine Zeit mich mit solchem Irrsinn zu beschäftigen. Dieses Kind erzählt, wie eine riesengroße Brücke von selbst aufgebaut wird. Wie soll so eine Brücke ohne Arbeiter gebaut werden?“
Daraufhin antwortete Imam Azam: „Na gut, ist etwa eine Brücke kunstvoller und größer oder die Welt?“
Der ungläubige Mann sagte: „Natürlich ist die Welt größer und kunstvoller.“
Imam Azam lehrte: „Du sagst, dass eine Brücke, die weniger kunstvoll und kleiner ist als die Welt, nicht von allein entstehen kann. Wie kannst du denken, dass die wunderbare Welt von allein entstand? Es gibt jemanden, der die Brücke baut. Dieser Bau funktioniert nicht ohne einen Bauherrn. Nun, muss es nicht auch jemanden geben, der diese Welt erschaffen hat?“
Der Mann hatte nach dieser Lektion keine Widerrede mehr. Er glaubte von nun an an die Existenz Gottes.
