Die Umstände seiner frühen Zeit im Islam
Der Gesandte Allahs (ṣallallāhu ’alayhi wa sallam) suchte dringend Wege, den Islam zu stärken und die Muslime vor Unterdrückung und Verfolgung zu bewahren. Er erlaubte einer Gruppe von Muslimen, nach Abessinien (Habeşistan) auszuwandern. In jenen Tagen planten die Quraisch, den Propheten aus der Welt zu schaffen… Die Muslime verrichteten zu dieser Zeit ihre Gebete noch heimlich – ihre Zahl war nicht einmal auf vierzig angewachsen. Der Prophet betete:
„O Allah! Stärke den Islam durch Ebu Cehil ibn Hişâm oder durch Ömer ibn al‑hattāb!“
Ironischerweise war Ebu Cehil bereit, dem Propheten für seine Tötung hundert Kamele anzubieten, und Ömer nahm dieses Angebot an und machte sich mit wütendem Hass auf den Weg… Unterwegs traf er den frisch bekehrten Nuʿaym. Dieser sprach:
„Wohin willst du Ömer?“
Hz. Ömer erwiderte empört:
„Ich will Mohammed aus dem Weg räumen, der diese neue Religion unter den Quraisch gesät hat!“
Doch Nuʿaym entgegnete:
„Deine Schwester und dein Schwager sind auch Muslime geworden – hast du davon gehört? Geh zu ihnen, bevor du hier etwas tust.“
Verblüfft änderte Hz. Ömer seinen Kurs. Er ging zum Haus seines Schwagers, hörte hinter der Eingangstür leise Koranrezitation. Er stürmte hinein, riss die Koranseite an sich, hielt seinen Schwager am Kragen fest und seine Schwester flog auf den Boden. Seine Schwester Fāṭima führte mit blutigen Wunden die Schahāda – dennoch flehte sie:
„Zeig, was ihr gelesen habt!“
Nach einem Moment des Zorns ließ Hz. Ömer nach. Bevor seine Schwetser Ömer die Koranverse übergab, bat sie Ömer um die spirituelle Reinigung (wudu), und sie lasen zusammen zu Beginn die Sure Tâ‑Ha. Während sie las, lösten sich in Hz. Ömers Herzen Rührung und Wärme. Schließlich sprach er: „Was für schöne Worte sind das!“
Er erfragte den Aufenthaltsort des Propheten und begab sich sofort zum Haus von Dār al-Erkām. Der Prophet kündigte ruhig an: „Lasst ihn eintreten.“
So trat Hz. Ömer ein, sagte die Schahāda, und wurde zum 40. Muslimen. Der Prophet und seine Gefährten riefen freudig „Allahu Akbar!“
Der Beiname „Farūq“
Hz. Ömer ist der einzige Gefährte, der in der islamischen Geschichte den Beinamen „Farūq“trägt. Es gibt verschiedene Überlieferungen über den Ursprung und seiner Bedeutung:
Der Prophet sagte, Allah unterscheide zwischen Wahrheit und Falschheit durch Hz. Ömer – daher nannte er ihn Farūq.
ʿAischah bestätigte, der Prophet selbst habe diesen Beinamen Hz. Ömer gegeben.
Manche Quellen erklären: Nachdem Hz. Ömer zum Islam konvertiert war, forderte er die Muslime, nicht länger im Geheimen zu beten, und ging mit den Muslimen gemeinsam in zwei Reihen aufgestellt zur Kaʿba (geführte jeweils von Ḥamza und Hz. Ömer). Das erschütterte die Quraisch so, dass der Prophet ihn fortan „Farūq“nannte.
Wissenschaft und Frömmigkeit
Abdullāh ibn Masʿʿūd sagt über Hz. Ömer:
„Würde man sein Wissen auf einer Waagschale und die Wissenschaft aller anderen auf der anderen halten, wäre Ömers Gewicht schwerer. Er war derjenige, der Allah am besten verstand, den Qurʾān am schönsten rezitierte und im Glauben sehr tief stand. Seine Frömmigkeit, Aufrichtigkeit und Hingabe waren beispielhaft. Besonders liebte er nächtliches Gebet und tagsüber freiwilliges Fasten.“
Die erste Anweisung an Gouverneure
Als Hz. Ömer Gouverneure ernannte, wies er eindringlich an: Keine prächtigen Pferde, kein weißes Brot, keine luxuriöse Kleidung, immer offene Türen für Bedürftige.
Er drohte: „Wenn ihr dem nicht folgt, entlasse ich euch.“
Er sagte außerdem: „Ich sende euch nicht aus, damit ihr euch auf das Hab und Gut der Menschen bestürzt, sondern um ihre Gebete zu verrichten, ihnen gerecht zu dienen, Kriegsbeute fair zu verteilen und Recht zu sprechen.“
Beispiel seiner Gerechtigkeit
Als er selbst in einem Rechtsstreit involviert war, hat der Richter Zaid ibn Sābit seinem eigenen Kalifen respektvoll Platz anbot, doch Hz. Ömer wies ihn zurecht und sagte:
„Solange ein Richter den Kalif und jemanden aus dem Volk nicht gleichgültig behandelt, ist er dieses Amtes nicht würdig! Ein Richter muss Allahs Befehl ausführen, nicht seinen Urteil nach den Kalifen ausrichten.“Jeder, Muslim oder nicht, konnte sich an ihn wenden und Gerechtigkeit erfahren
Soziale Gerechtigkeit und Fürsorge
Während seiner Herrschaft patrouillierte Hz. Ömer nachts durch die Straßen Medinas, um bedürftige Haushalte zu finden. Einmal hörte er Kinder weinen. Er klingelte – eine ältere Frau öffnete:
„Wir sind seit zwei Tagen hungrig.“
Hz. Ömer und sein Diener besorgten auf der Stelle Mehl und Öl und trugen es auf ihren Rücken zu der Familie. Sein Diener wollte helfen, aber Ömer lehnte ab mit den Worten: „Wirst du am Jüngsten Tag meine Last tragen?“. Also versorgte er die Kinder, und als er ging, sagte die Frau: „Allah segne dich – du verdienst mehr diese Position als Ömer.“Der Frau war nicht einmal bewusst, dass ihr vom Kalifen höchstpersönlich geholfen wurde.
„Genügt uns nicht die Ehre des Islams?“
Zur Zeit seines Kalifats musste Hz. Ömer (r.a.) eine Reise in die Stadt Damaskus (Şam) unternehmen. Er machte sich gemeinsam mit einer Gruppe ehrenvoller Gefährten von Medina auf den Weg. Hz. Ömer besaß nur ein einziges Reittier, ein Kamel. Mit ihm war auch sein Diener Mugīre unterwegs. Sie hatten eine Vereinbarung getroffen: Eine Stunde sollte Hz. Ömer auf dem Kamel reiten, und eine Stunde Mugīre. Als sie kurz davor waren, in Damaskus einzutreffen, war gerade Mugīre an der Reihe, auf dem Kamel zu sitzen. Also ging Hz. Ömer zu Fuß nebenher. Einige der edlen Gefährten kamen zu ihm und sagten: „Wäre es nicht angebracht, wenn Ihr in dieser Stunde auf dem Kamel reitet?“
Hz. Ömer fragte zurück: „Wieso sollte ich jetzt reiten? Vorhin war ich an der Reihe, jetzt ist Mugīre dran.“Die Gefährten erwiderten: „Wir werden gleich in Damaskus einziehen. Die führenden Persönlichkeiten der Stadt werden Euch entgegenkommen. Sie werden auf Pferden erscheinen – und Ihr, als Kalif, kommt zu Fuß? Das wirkt nicht angemessen. Wir bitten Euch demütig, unser Anliegen zu berücksichtigen und unseren Vorschlag nicht abzulehnen.“Doch Hz. Ömer wurde unruhig und sprach mit ernster Stimme: „Seid ihr denn immer noch nicht frei von solchem Denken? Reicht uns nicht die Ehre des Islams? Gibt es eine größere Gnade, ein ehrvolleres Geschenk als den Islam? Allah, der Erhabene, hat uns diese Gnade erwiesen! Er hat uns mit dem Islam gekrönt. Wem sonst ist es vergönnt, die Krone des Glaubens an den Islam auf dem Haupt zu tragen?“
„Er hat uns das Gewand geschenkt, das der Gesandte Allahs (sallallāhu ‘alayhi wa sallam) brachte – das Gewand des Islams! Er ließ die Worte der Schahāda (Glaubensbekenntnis) über unsere Zungen leuchten wie eine Lampe. Er hat unsere Herzen mit dem edlen Qur’an erhellt.“
Dann sagte er mit Nachdruck: „Habt ihr etwa den wahren Wert des Islams noch nicht erkannt, dass ihr euch den Menschen durch Pferde oder Kleidung zeigen wollt?“Und er schloss mit den Worten: „Genügt es uns etwa nicht, zur ehrenvollen Umma des Geliebten des Allerbarmers (dem Propheten Muhammad) zu gehören?“Nach dieser tiefgreifenden und ergreifenden Rede wagte niemand, noch ein Wort zu sagen.
Wer ist dieser Wächter?
Eine Karawane voller Heiden erreichte Medina ohne Wachposten. Hz. Ömer sah dies und sagte bedächtig: „Wenn ihre Habe gestohlen wird, bin ich verantwortlich.“Er fühlte sich für den Schutz dieser Fremden verantwortlich und entschied sich, die Karawane gemeinsam mit Abdurrahman bin Avf zu überwachen. Sie wachten die ganze Nacht über den Reisenden ohne sie aufzuwecken. Am Morgen sagte er den Fremden: „Schlaft nie wieder ohne Wache!“und ging anschließend direkt zum Masjid. Am nächsten Tag erkundigten sie sich: „Wer war dieser Mann, der uns bewachte?“Die Antwort: „Der Kalif der Muslime, Hz. Ömer.“Beeindruckt davon traten viele zum Islam über.
Verantwortungsbewusstsein bis zum letzten Atemzug
Ibn Abbās lobte Ömer mit den Worten: „du hast Städte gegründet, Zwietracht beseitigt und Wohlstand gebracht.“Ömer antwortete: „Lobe mich nicht als Gouverneur. Ich schwöre bei Allah – ich wünsche mir, schuldlos zu sterben, ohne Verdienste oder Schuld. Mein einziger Wunsch: zur Gemeinschaft des Propheten zu gehören.“Als Ibn Abbās zusagte, ihn am Gerichtstag zu bezeugen, war er tief erfreut.
Sahabe